Zermatt – Wirtschaftliche Betrachtung eines Orts in den Bergen

An einem der heißeren Tage im August dieses Jahres, auf dem Weg in die Schweiz, hörten wir im Radio, dass sich das Parlament gegen eine nachhaltige Wirtschaft ausgesprochen hat und nun auch die Volksinitiative einer grünen Wirtschaft fraglich ist. Das würde der Wirtschaft schaden, beziehungsweise dem Wachstum nicht zuträglich sein, sind die Gründe dagegen. Dies war die makroökonomische Betrachtung auf das neutralste Land in Europa, also die Vogelperspektive, obwohl wir uns am Boden auf der Autobahn befanden. Der Schweiz sollte es doch wirtschaftlich gut gehen, müsste man meinen. Da käme eine wirtschaftlich, ökologisch und sozial verträgliche wirtschaftspolitische Strategie doch zeitgemäß und logisch herüber. In dem Land, wo die schönsten Berge, Landschaften und Städte mit der höchsten Lebensqualität zu bestaunen sind. Denke ich zumindest. Die Vignette gibt’s zumindest schon mal für ein volles Jahr. Entweder aus einem service-orientiertem Gedanken heraus, dass der Urlauber sich nicht immer eine neue kaufen muss, da er bestimmt wieder kommt. Oder weil der eidgenössische Staat möchte, dass der Urlauber unbedingt wieder kommt.

Zermatt ist seit den 40er Jahren des 20ten Jahrhunderts autofrei. Oder zumindest frei von Autos mit Verbrennungsmotor. Wir nehmen die Bahn vom vorletztem Ort Täsch, des Nikolai-Tals nach Zermatt. Mit Rucksäcken und Zelt bepackt suchen wir den einzigen Zeltplatz des Ortes, der nicht weit vom Bahnhof entfernt zu finden ist. Wir richten uns ein und machen uns auf dem Weg zu einem Rundgang im Ort.

Vom Bahnhof aus gelangt ein jeder direkt in die Einkaufs- und Flaniermeile des Örtchens. Hier erschließt sich direkt die Auswirkung, oder der Hintergrund, der Entscheidung oder Einstellung gegen die umworbene Nachhaltigkeitsinitiative. Geschäfte von weltweit bekannten Luxusmarken, Schokoladenspezialitäten, mindestens vier Sterne Hotels mit gediegenen Restaurants und überladene Souvenirläden locken haufenweise umher wuselnde, oft asiatische Touristen, mit luxuriösen und exklusiven Dingen und tatsächlich rabattierten Preisen. Fast jede bekannte Outdoormarke für alpines Equipment lässt sich einen Shop im Ort kosten und versorgt die Touristen mit dem „Nötigsten“. So sieht man allgegenwärtig Funktionskleidung, für die anspruchsvollsten, härtesten alpinen Ansprüche, an eher mässig trainiert wirkenden Menschen, die zum Glück auch Trekkingstöcke mit gekauft haben. Denn schlecht zu Fuß sind hier einige. So verleihen ein paar Carbon-Stöcke doch den wünschenswerten Halt, bevor man mit den schweren, dicken, klobigen Bergstiefeln noch an der hohen Bordsteinkante hängen bleibt. So funktioniert die mikroökonomische Wirtschaftsweise aus der Froschperspektive betrachtet. Verkauf einem Stadtmenschen, aus einem fernen Land, den Hauch von Abenteuer und Alpinismus, in Form von Kleidung und Zubehör, fahr in vom Hotel direkt an die Bergbahn, lass ihn dort oben seine Runden auf gut ausgebauten und ausgeschilderten Wanderwegen drehen, sich in noblen Hüttenrestaurants erholen und satt essen, und hol sie direkt wieder an der Talstation der Bergbahn ab, um sie nach diesem harten Tag am Berg wieder ins Hotel zu fahren.

Ein Ort, der wie kaum ein anderer für Bergsport und Alpinismus steht, macht auch auf der letzten Hütte vorm Einstieg auf das berühmte Matterhorn einen Strich durch die Rechnung einer erhofften Bergsteigerromantik. Die Bergsteiger stehen im neuesten und blank geputztem Equipment Schlange an der Rezeption der neu gebauten Hütte, die für 150 Schweizer Franken eine herrliche Nacht verspricht, mit allen drum und dran, ehe man sich morgens (nicht zu früh, ab 4.30 Uhr darf erst gestartet werden) wie auf einer Autobahn in die Bergsteigermassen einreiht und sich seinen Traum vom Matterhorn erfüllt. Schon am frühen Nachmittag gönnen sich ein paar, scheinbar alte Hasen einen guten Rotwein in geselliger Runde in der modern eingerichteten Hütte oder auf der großzügigen Sonnenterrasse. Keine Art Basislager ist auszumachen, wo raubeinige, hart gesottene Bergsteiger und Abenteurer ihr Zelt aufgeschlagen haben und sich über dem Bunsenbrenner ihr Abendessen kochen, sich dann friedvoll in den Schlafsack rollen und der kurzen und kalten Nacht entgegenfiebern. Zelten ist in einem großen Umkreis verboten. Vermutlich wegen der Umwelt. Vielleicht aber auch aus wirtschaftlichen Gründen. Man weiß es nicht.

Auf dem Weg zu dieser Hütte in knapp 3.200 Meter Höhe, waren wir bis zur Bergstation ziemlich alleine. Auf einen Berg laufen, gehört nicht zu den liebsten Beschäftigungen der zahlreichen Touristen. Über uns schwebte einen Seilbahn, deren Kabine mit dem Begriff Nachhaltig warb. Ob diese mit nachhaltig erzeugtem Strom angetrieben wird, die Bausubstanz schon vor Hundert Jahren entstand und weiter genutzt wird oder die Gondeln aus recycle-fähigen Materialien besteht kann nicht genau gesagt werden. Aber es versprüht doch eine Doppelmoral in diesem Ort, wo man der Natur so nah wie möglich sein will. Es gibt Elektroautos, die zwar keine Abgase verbreiten aber dennoch unnötig Gäste, deren Wäsche, Waren und Gepäck durch die Gegend fahren, zu viele Bergbahnen und Lifte, deren benötige Energie auch irgendwo her kommen muss und Einwegflaschen, wofür eigens Sammelbehälter aufgestellt wurden. Welch ein Fortschritt.

Als wir den sehr einfach gehaltenen Zeltplatz von oben betrachten und auch den Ort fast vollends überblicken konnten, geistert in meinem Kopf die Vorstellung, wie dieser wohl ohne Hotels und der ganzen touristischen Peripherie aussehen würde. Vermutlich blickten wir dann nur auf ein paar dutzend Häuser von Bergbauern, Einheimischen, die ihr Geld am und von den Bergen verdienen und vor allem viel unberührte Natur.

Selbstverständlich sind auch wir Touristen, die diesen Ort und die Landschaft bestaunen und erfahren möchten. Wir möchten auch Annehmlichkeiten wie Essen, Trinken und den Blick in die Berge, oder von diesen herab genießen. Ob dies allerdings im Überfluss des Konsums, des Unnötigen, des Einfachen, des Mühelosen oder eben des selbst erklommenen Berges, des selbsterlaufenen Weges zum Aussichtspunkt und dem Naturerlebnis ohne den ganzen Technik-Aufwand stattfinden muss, will ein jeder für sich selbst entscheiden. Aber wer seine Heimat, seine Seele der Herkunft, seine gesunde Umgebung und seine Gipfel verkauft, verdient das Publikum, was es anzieht.

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„Extremläufe“

Seit ein paar Jahren erfreuen sich so genannte „Extremläufe“ großer Beliebtheit.

Das Wort extrem sollte aber in diesem Zusammenhang eher für die extremen Zuwachsraten benutzt werden und nicht für die Läufe an sich.

Bei meiner Teilnahme am ersten Urbanathlon im schönen Hamburg musste ich feststellen, dass einige Teilnehmer vergessen, oder eher unterschätzt haben, dass es sich doch tatsächlich um eine Laufveranstaltung handelt. Die Hinzunahme von zehn, nicht wirklich schwierigen oder anspruchsvollen Hindernissen, trübte dem ein oder anderen Parcour-Künstler oder Bodybuilder mit mächtig dicken Armen, die Vorahnung auf das, was einem in diesen Spektakel erwarten sollte. Wen wundert es, dass ein Bergläufer gewonnen hat. Der konnte nämlich, man sollte es nicht für möglich halten, schnell laufen und das auch noch die paar Treppenstufen hoch, die sich im sonst recht flachen Hamburg als größte Schwierigkeit für viele herausstellen sollte.

Bei diesen Veranstaltungen von extrem oder anderen starken Adjektiven zu sprechen oder es zu versuchen erscheint mit lächerlich. In der Tat ist es extrem 10 km zu laufen und über zehn Hindernisse zu springen, ziehen oder hangeln, wenn man nicht einen einzigen Klimmzug hinbekommt und keine fünf Kilometer bisher am Stück gelaufen ist. Eine Vorbereitungszeit von zwei Wochen ist den meisten offensichtlich ausreichend vorgekommen.

Verglichen mit einem Marathon ist so eine Veranstaltungen eine reine Spassveranstaltung. Und da sollte sie sich auch einordnen. Kommen bei anderen und ähnlichen Konzepten noch Schlammgruben, Pyramiden aus Stroh und Eiskübel hinzu frage ich mich ernsthaft, wer da eigentlich die Zielgruppe ist. Das sich hier eine gewisses Gruppengefühl gepaart mit Abenteuergeist einstellt möchte ich doch wenigstens hoffen. Den Teilnehmern liefert es definitiv tollen Gesprächsstoff für das Morning-Meeting am Montagmorgen im Geschäft.

Selbst ein Marathon ist nicht extrem, hat man mal einen gelaufen und sich entsprechend vorbereitet. Bei Läufen jenseits der fünf Kilometer ist das nun mal mehr wie zwingend notwendig. Man läuft das nicht aus dem Stand. Über Zeiten wollen wir aber gar nicht erst sprechen. Die Elite und der gemeine Hobbyathlet sind von völlig anderen Dimensionen getrennt. Distanzen über 42,195 km sind geschichtlich und anthropologisch gesehen einst nicht extrem gewesen, sondern eher normal, bzw. überlebenswichtig. Aber in einer Gesellschaft, die zunehmend nicht mehr läuft, eben extrem.

Grenzen verschieben ist das Gebot der Stunde. Aber dafür gilt anfangen, sollte man sich ernsthaft für den Laufsport interessieren. Das dieser reichlich Facetten zu bieten hat, zeigt auch das Hervorbringen solcher „Extremlauf“-Veranstaltungen, was doch einiges für sich hat. Ein mal Feuer gefangen ist das Angebot und die Vielfalt des Sports und dem ganzen drum herum nicht nur einzigartig sondern auch „extrem“ ansteckend!

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Erlebnisse statt Ergebnisse

Diejenigen, welche von einer überdurchschnittlichen läuferischen Leistung und/oder Begabung gesegnet sind, kämpfen eventuell bei Wettkämpfen um die vorderen Plätze. Der größere Rest kämpft allenfalls gegen sich selbst, oder die eigens gesteckte persönliche Bestzeit. Diese zu erreichen, immer wieder zu verschieben und anzugreifen ist natürlich erstrebenswert und macht doch den Reiz an einem Wettkampf aus. Nach einer gewissen Anzahl von Wettkämpfen mag sich aber vielleicht ein gewisser Stillstand einstellen oder ein geringes auf und ab der Zeiten zu verzeichnen sein. Schließlich spielt es nicht wirklich eine Rolle ob man 567 oder 423 geworden ist. An dem Punkt kann man sich vielleicht eher die Frage stellen, ob nicht das Erlebnis stärker im Vordergrund stehen sollte, wie das Ergebnis.

Bei der X-ten Teilnahme am immer gleichen Stadtmarathon mag von einem Erlebnis wohl kaum noch eine Rede sein. Aber neue Städte zu besuchen und diese läuferisch zu entdecken dagegen vielleicht schon. Dann spielt auch die Zeit und die Platzierung am Ende keine große Rolle, wenn der Lauf locker leicht, ohne Druck vonstatten ging und man neue Eindrücke von neuen Orten und Menschen gewonnen hat. Die Zeit vor einem Rennen und danach gehört schließlich auch dazu.

Teilnehmer und Liebhaber des eigentlich nicht mehr so neuem „Trail-Running“ dagegen schätzen wohl eher das Laufen in unbekannten Terrain, tolle Aussichten von bezwungen Berggipfeln, den Anblick unberührter Wälder, das Rauschen von Flüssen und Wasserfällen am Wegesrand oder das erstaunte Flüchten von vierbeinigen Waldbewohnern, wenn man denn welche überhaupt zu Gesicht bekommt. So kann man in jeder Gegend Deutschlands mit ein paar Schritten „Umweg“ von der gewohnten Hausrunde ziemlich viel Neues und Spannendes entdecken. Einfach mal die Bergkuppe des nächsten Hügels anpeilen und hin laufen, einmal versuchen eine Runde um den nächst größeren See zu schaffen, den nächst gelegenen Naturpark aufsuchen oder auch mal eine Runde durch die belebte Fußgängerzone der Stadt drehen.

Man wird feststellen, dass dies ein wertvolles Kontrastprogramm zum üblichen Abspulen von stumpfen Kilometern wird. Denn das Laufen wird gedanklich zur Nebensache, der Kopf ist mit anderen Sachen beschäftigt, wie auf die Pulsuhr zu schauen, die Minuten und Sekunden zu zählen und die Augen sind nicht nur auf das Ende der letzten Bahn auf dem Sportplatz gerichtet. Das Laufen wird zu einer natürlichen Art der Fortbewegung, in der man sich von A nach B durch nicht ganz so bekanntes Terrain begibt und es unabhängig von Start, Zeit und Ziel ist. Frei nach dem Motto, wenn ich es sehen kann, kann ich auch dorthin laufen. Ergo auch wieder zurück. Selbst vermeintlich zu lange Strecken werden eher mühelos bewältigt, weil man ankommen muss. Das hier natürlich nicht von null auf hundert gegangen, bzw. gelaufen werden kann, versteht sich von selbst.

„One inch at a time!“

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Evolution

Wie vieles andere auch, entwickelt sich diese Website weiter.

Angefangen als Bandpage für Crawdaddy, musste sie 2014 als Blog für unsere Weltreise herhalten.

Nun ist sie quasi ganz in meiner Hand wird mit Informationen zum Thema Trommeln, Laufen, Reisen und Wirtschaft(skritik) gespickt.

Mal sehen wen es interessiert! 🙂

Salud!

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